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23 | 05 | 2013
3. und 4. Raceday - Die Königsetappe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Rossmann   
Freitag, den 28. Januar 2011 um 17:44 Uhr

3. und 4. Raceday – die Königsetappe!!!

 

Kaum eingeschlafen, rappelte schon wieder der Wecker und das hektische Treiben im Camp ging von neuem los und man hatte den Eindruck, als wären heute alle besonders angespannt. Angesichts dessen was da kommen sollte ja verständlich. :)

Die Erfahrung aus dem letzten Jahr hatte uns gelehrt, bei den MTB-Starts immer in vorderen Reihen zu stehen, um den Anschluss an die Spitze nicht schon direkt nach dem Startschuss zu verlieren. Dass eine eventuelle Aufholjagd im Wind richtig Kraft kostet, hatten wir letztes Jahr schmerzlich erfahren dürfen. Um das zu vermeiden hatte ich meine Teamkollegen angewiesen rechtzeitig am Start zu sein. Ich weiß bis heute nicht genau was der Grund für Benis Verspätung eigentlich war, jedenfalls standen wir beim Start nicht beisammen und dann auch noch das. Marcs Reifen war geplatzt oder was auch immer, er musste auf jeden Fall genau 4 Minuten vor 4:00 Uhr eine Reifenpanne beheben. Unsere Anspannung war sehr nahe der Explosionsgrenze, aber unglaublicher Weise schaffte Marc es rechtzeitig zum Startschuss mit ausreichend Luft im Pneu auf dem Sattel zu sitzen. Wahnsinn! Und dann ging es ab in die Dunkelheit.


(Foto: Arnd Hemmersbach)

Ich hielt mich von Anfang an in den vorderen Reihen auf, da die Sturzgefahr im dichten Feld in der Dunkelheit und bei den unzähligen Sandverwehungen einfach riesig war. Genau wegen dieser Sturzgefahr konnte ich auch absolut nicht verstehen, dass unsere Vorhut der Rettungswagen des Orga-Teams bildete. Einen eventuellen Notfall mit Verletzung von Teilnehmern konnten Sie so weder bemerken, noch irgendwie erreichen, denn es war auf diesem Weg absolut unmöglich rechts oder links ran zu fahren um uns vorbei zu lassen, geschweige denn zu drehen. Absolut hirnlos die Typen! Das Beste war, dass sie irgendwann in einer Sandwehe am Berg stecken blieben, welche uns auch zum Schieben der MTBs zwang. Da gab es für sie dann weder vor noch zurück. :)

Mein „Ritt“ im vorderen Teil der Meute trug leider dazu bei, dass ich lange Zeit nicht wusste wo Marc, Andrea und Beni waren. Ich versuchte einige Male durch laute Rufe in die Menge eine Antwort und die Sicherheit ihrer Anwesenheit zu bekommen, aber ohne Erfolg. Irgendwann war es mir zu heikel eine Penalty zu bekommen und ich ließ mich zurückfallen um sie zu finden. Sie waren zum Glück auch nicht weit hinter mir gewesen, aber durch die Windgeräusche hatten sie mich nicht gehört. Zusammen fuhren wir wieder in die Spitze des Feldes und erreichten sie auch genau im richtigen Moment, denn direkt vor uns lag der erste CP. Das absolute Chaos brach aus und man konnte froh sein, wenn man sich weit vorne befand. Man stelle sich eine ausgehungerte Schweineherde von 200 Tieren vor, die versuchen, an vier Futtertröge ranzukommen, um daraus zu fressen! So war es mit uns 200 Adventure Racern auf MTBs und unseren elektronischen Chips, die wir alle zum „checken“ an einen der vier Checkpoints halten mussten. Zum Glück waren wir schnell aus dem Haufen raus und konnten unsere weite Reise fortsetzen. Das sollte auch die einzige derartige Situation bleiben, weil sich das Feld danach im Nu auseinanderzog. Für den Rest der MTB-Strecke fuhren wir mit dem Schwedischen Team zusammen und kamen gut voran.


(Foto: Arnd Hemmersbach)

Wie ihr seht, mussten wir sämtliches Equipment mit uns führen, selbst das, was wir nach dem Rad fahren erst für die Laufstrecke benötigten. Das Längliche in meinem Rucksack ist nicht die Antenne unseres Unterhaltungs- und Multimediacenters, sondern die Nordic-Walking-Stöcke, die ich fürs Laufen dabei hatte.


(Foto: Veranstalter www.abudhabi-adventure.com)

Einerseits war es schön, dass wir nach ca. zwei Stunden Fahrt endlich Sonnenlicht hatten, andererseits bedeutete das natürlich auch rasant steigende, schnell unerträgliche Temperaturen. Und dazu immer dieser schmirgelnde Sand überall.


(Foto: Veranstalter www.abudhabi-adventure.com)

Nach fast fünf Stunden auf dem Sattel erreichten wir endlich die Wechselzone im (wieder irrsinnigen) 5-Sterne Luxushotel mitten in der Wüste! Einfach abartig und nicht zeitgemäß diese wahnsinnige Energie- und Ressourcenverschwendung. Hier ein Artikel der RP-Online über diesen kranken Sch..ß!


(Foto: www.rp-online.de)

Aber wir hatten nicht einmal Zeit um die Toilette dieses Pracht-Palastes aufzusuchen, denn wir durften in den gerade einmal 30 Minuten Pause noch unser Equipment vom MTB schrauben, was wir vorher angebracht hatten, wie die Pedale, die Reifen und die Fahrradlampen. Wir hatten kaum Zeit etwas zu Essen und zu Trinken aufzunehmen. Es ging also quasi ohne Pause weiter auf unseren langen Lauf.

Von Sinnestäuschungen und „Auf allen vieren durch den Sandkasten“

 

Da wir mit den direkten Konkurrenten, dem schwedischen Team in die „Wechselzone“ gekommen waren, starteten wir auch zeitgleich mit ihnen auf die Laufetappe. Bei dieser extremen Distanz ist man immer froh, wenn man nicht „alleine“ läuft und sich vom Tempo, aber natürlich auch der Richtung orientieren kann. Wir hatten ca. 9:15 Uhr aufs Laufen gewechselt und damit war jetzt das Ziel, vor der mörderischen Mittagshitze so weit wie nur möglich zu kommen und dann die erste größere Pause einzulegen. Wir liefen von CP zu CP, die alle in etwa die gleiche Entfernung von einander hatten und doch war es extrem schwierig abzuschätzen, wie lange man für das jeweilige Teilstück an Zeit brauchte. Hier und da kam mal ein Salzsee, in dem man durch den flachen und relativ festen Untergrund gut laufen konnte und diese Route auch nahm, wenn sie ein Umweg darstellte. Die Strecke war nicht nur wegen der sengenden Hitze, dem glühend heißen Sand und den beschränkten Wasservorräten hammerhart, sondern vor allem auch deswegen, weil wir anders als in den Vorjahren in umgekehrter Richtung die Dünenlandschaft durchquerten und somit viele Dünen von der dem Wind abgewandten Seite erklimmen mussten. Auf der Seite, wo die Düne "abbricht", ist der Sand extrem weich, man sinkt bei jedem Schritt tief ein und kommt nur schwer vorwärts – so ungefähr wie „Rolltreppe verkehrtherum“! Um eine Düne hinunter zu laufen, braucht man 30 Sekunden, um hinauf zu kommen, braucht man eine halbe Stunde.


Hier sieht man einen CP (Zelt), die immer in Salzseen gelegen waren. (Foto: Veranstalter www.abudhabi-adventure.com)


Leider habe ich kein Foto, auf dem man sieht, wie wir eine richtig hohe Düne hoch klettern mussten.(Foto: Veranstalter www.abudhabi-adventure.com)

An den optionalen CPs gab es kein Wasser, was diese CPs für eine lange Pause uninteressant machte. Das hieß aber, dass man von einem normalen CP zum nächsten mindestens drei Stunden, eher mehr einplanen musste. In dieser Situation zu entscheiden, wann wir die lange Pause machen, war sehr schwierig und eine falsche Entscheidung konnte einem das „Leben“ bzw. die gute Platzierung kosten.

Um 11:30 Uhr hatten wir CP 3 erreicht und trafen hier auch auf das zweitplatzierte Team der Franzosen. Zu allererst machten wir es uns mal bequem und versuchten den Sand einigermaßen aus allen erdenklichen Ecken zu bekommen, sowie die ersten Blasen abzukleben.


(Foto: Arnd Hemmersbach)

Da das führende Team um Richard Ussher noch einen (bzw. zwei) CPs weiter gelaufen war, waren wir uns unsicher, ob wir die Pause hier einlegen, oder weiter laufen sollten. Dadurch kamen wir nicht richtig zur Ruhe und waren innerlich die ganze Zeit auf dem Sprung um dem Neuseeländischem Team zu folgen, oder sich dem zweitplazierten Französischen Team anzuschließen. Die hatten es sich aber richtig gemütlich gemacht und diese lange Pause (am Ende waren es fast vier Stunden) schon fest geplant. Zu unserer inneren Unruhe kam noch negativ hinzu, dass es sehr schwer war an diesem CP ein schattiges Plätzchen zu finden. Schatten ist in der Wüste allgemein eher selten, aber die riesigen Jeeps des Veranstalters und der Presse boten einem vierköpfigen Team eigentlich genug von dem kostbaren Gut. Nur leider hatten die am herum bretzeln so viel Spaß, dass sie nur kurze Zeit am CP Halt machten. Nach anfänglichem Schattenhopping, entschlossen wir uns, aus unserem Zelt und den Walkingstöcken unseren eigenen Schatten zu bauen. :-) Der bewegte sich dann nicht mehr und wir konnten endlich etwas entspannen. Nach 3:50 h war die Ruhe aber vorbei und es ging weiter gen Westen.

Das zweitplatzierte französische Team machte mächtig Druck und wir kamen dadurch sehr gut voran. Zwischenzeitlich hatte dieses Team sogar die Führung in der Gesamtwertung übernommen. Aber es lag noch so verdammt viel vor uns, dass ich mich mit solchen Dingen nicht näher befasste und mich mehr oder weniger immer nur auf den nächsten Schritt konzentrierte. Wir hatten nicht mal ein Drittel der Strecke hinter uns gebracht und der schwierige Teil sollte noch kommen. Wir waren mittlerweile alleine unterwegs, da das andere Team sich für eine andere Route entschieden hatte und die Sonne bretzelte uns erbarmungslos auf die Rübe. Unsere Freude war immer groß, wenn wir einen der auf unserem Weg recht seltenen Salzseen durchqueren konnten, der uns einen relativ festen und flachen Untergrund bot. Diesmal war sie besonders groß, da uns unser GPS und die Karte am Ende dieses Sees den nächsten CP mit Wasserrationen zeigten. Wir konnten von weitem auch schon die Zelte und die riesigen Jeeps erkennen. Voller Freude begannen wir die letzten Flüssigkeitsreserven zu trinken und hatten den Bauch schnell so voll, dass wir uns das Wasser über die Köpfe schütteten, was in der Wüste normal ein absoluter Frevel ist. Aber wir hatten ja frisches in Aussicht. Je näher wir den Zelten und Jeeps kamen umso kleiner wurden diese aber und es wuchs in uns so etwas wie Angst. Diese war auch berechtigt, denn das, was von weitem noch so wie ein kleines Camp ausgesehen hatte, war in Wirklichkeit ein Haufen alter schwarzer Fässer. Wir wären nicht die ersten gewesen, die sich in der Wüste verlaufen haben und … (Man möchte gar nicht weiter denken!). Hinter dem Salzsee ging es wieder steil die Dünen hinauf und wir beteten, dass dahinter der See mit dem CP liegen würde und nach ca. einem Kilometer und ein paar Höhenmetern hatten wir ihn dann glücklicherweise auch erreicht und diesmal war es keine Fata Morgana. :-)

Kurz nach 18 Uhr bot sich uns ein absolut atemberaubendes Naturerlebnis, das wir aber leider auf Grund der körperlichen und mentalen Belastung nicht so wirklich genießen konnten. Ein Sonnenuntergang in der Wüste ist schon etwas Besonderes. Der Einbruch der Nacht bedeutete zwar auch einen starken Abfall der Temperatur, aber leider ist es in der Dunkelheit um ein vielfaches schwerer zu Navigieren und den besten Weg zu finden und nicht jede Düne „mitzunehmen“. Ein weiteres Highlight und gigantisch schön ist der Sternenhimmel im absolut stockfinsteren Rub al-Khali („Leeres Viertel“, Name der Sandwüste). Trotzdem galt unser Blick eher dem nächsten Schritt, den wir taten. Ziel war es, jetzt so weit wie möglich zu kommen, bevor einen die Müdigkeit und die Erschöpfung übermannten. Wir schafften es bis ca. 1:00 Uhr in der Nacht bis zum CP 5 und schlugen hier unsere Zelte auf. Ich hatte mir zusätzlich zu dem Pflichtequipment von einer Windjacke und einem Fleece-Shirt die Fleece-Decke aus dem Flugzeug mitgenommen, in der Hoffnung, etwas weniger als letztes Jahr zu frieren und wenigsten ein paar Minuten schlafen zu können. Aber leider Pustekuchen! :( Ich habe in den etwas mehr als vier Stunden Pause nicht eine Minute pennen können, weil ich so beschissen gefroren habe. :-( Ich hätte heulen können. Na ja, wenigstens gab es leckeres Müsli nachdem der Wecker gegen 4:30 Uhr wieder geklingelt hatte. Und die Grundlage brauchten wir auch, denn es waren immer noch mehr als 40 Kilometer hinter uns zu bringen.

Der Sonnenaufgang war wieder ein Gedicht und man freute sich erneut, dass es wieder hell war, doch was die Sonne mörderisches mit sich brachte ist ja bekannt! Und die Hitze kam wieder schneller als erwartet. Wir schleppten jeder wieder vier bis fünf Liter Wasser in unseren Rucksäcken, neben dem ganzen Pflicht-Equipment, wie zwei Zelte, GPS-Ortungsgerät, Satelliten-Telefon, Windjacke, Fleece-Shirt, usw. sowie unsere komplette Verpflegung (außer Wasser). Die war zwar mit den vielen Stunden weniger geworden, aber auf so einer langen Etappe ist es extrem schwer vorher zu kalkulieren wie viel man wirklich braucht und nimmt dann doch lieber mehr als zu wenig mit.


(Foto: Veranstalter www.abudhabi-adventure.com)

Wir näherten uns wieder einem der CPs, der auch wieder in einem Salzsee lag und ich konnte von weitem eine kleine Kamelherde sehen, die quer hindurch lief. Je näher wir dem See und damit der Kamelherde kamen umso mehr zweifelte ich an meiner Wahrnehmung. Als der Abstand anscheinend klein genug war, erkannte ich ein gegnerisches Team, das bereits am CP gewesen war. Ich erzählte meinen Teamkollegen erschrocken von meinen Sinnestäuschungen und Marc entgegnete prompt er habe stattdessen Radfahrer gesehen! Wir konnten es nicht fassen, was die Wüste, die Hitze und alle anderen Umstände mit uns machten!

Genau das alles brachte mich dazu nicht mehr an ein Finish dieser Etappe zu glauben. Besonders auf den letzten beiden Teilstücken mussten wir eine Mega-Düne nach der anderen auf allen vieren hoch. Und der Sand hatte gefühlte 100 °C. Wir verbrannten uns die Hände bei diesen Aktionen. Leider habe ich davon kein Foto, denn man kann sich das anders nicht wirklich vorstellen, wie hoch und steil diese Riesendünen sind.


(Foto: Arnd Hemmersbach)

Ich schleppte mich nur noch vorwärts und muss meinen Teamkollegen einen großen Dank aussprechen für die Unterstützung in dieser Phase des Rennens.

Um ca. 14:40 Uhr erreichten wir das sehnsüchtig erwartete Ziel und ich denke, uns ist die Erschöpfung anzusehen.

Nur gerade mal sieben Teams von 49 schafften die komplette Strecke, einige kürzten ab und nicht wenige schafften es gar nicht das Ziel ohne Hilfe (per Helikopter!!!) zu erreichen. Selbst das führende neuseeländische Team von Richard Ussher musste an ihr Limit gehen.


Was haben diese Lasagne und die Nudeln mit Bolognese gut geschmeckt!!! Unglaublich!!! :-) (Foto: Arnd Hemmersbach)

Wenig später saßen wir schon wieder im Bus auf dem Weg in die Küstenstadt Mirfa, von wo am darauffolgenden Tag die brutal lange Seekajak-Etappe starten sollte.

Hier gehts zum letzten Teil:

5. und 6. Raceday - Eine höhere Macht meint es gut mit uns Geschundenen

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 29. Januar 2011 um 14:17 Uhr
 
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